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Über dieses Blog

Von Zeit zu Zeit werde ich euch in meinem Blog Spiele vorstellen, die eher weniger bekannt sein dürften, die es aber meiner Meinung nach wert sind, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Sei es ein unverbrauchtes Spielprinzip, eine interessante Spielmechanik, ein herausragend präsentiertes Szenario -- oder einfach nur der Umstand, dass der jeweilige Titel ein tolles, unterhaltsames Spielerlebnis bietet: So weit es meine Zeit zulässt, werde ich euch davon berichten.

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7 Billion Humans (Test/Review)

Knifflige Logikrätsel mit Programmierbefehlen lösen, genau darum geht es im Kern in 7 Billion Humans. Kann das Spaß machen? Und wie! 7 Billion Humans ist nach World of Goo, Little Inferno und Human Resource Machine das vierte Spiel des Indie-Entwicklers Tomorrow Corporation. Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. In einer trist und dystopisch anmutenden Zukunft haben Maschinen sämtliche Arbeiten auf dem Planeten übernommen. Es braucht keine Landwirte, Gebäudereiniger oder Café-Betreiber mehr. Die Folge: Die Menschen langweilen sich und wünschen sich Jobs. Ihr seid einer dieser jobsuchenden Menschen und betretet mit sieben Millionen weiteren als kleiner Angestellter das Hauptquartier eines fiktiven Unternehmens. Dort soll es für die gesamte Menschheit Arbeit geben. Als Spieler versucht ihr euch fortan in möglichst effektiver Mitarbeiterführung. Je besser ihr darin seid, desto weiter steigt ihr im Unternehmen auf (soll heißen: ihr schaltet weitere Level frei) und werdet mit zusehends komplexeren Aufgaben betraut. Die Grafik in 7 Billion Humans ist einfach, aber übersichtlich gehalten und transportiert die Atomsphäre des Spiels sehr gut.
Wer den Vorgänger Human Resource Machine kennt, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Das Besondere an 7 Billion Humans ist, dass ihr nicht wie in anderen Spielen die Mitarbeiter direkt über Mausklicks oder per Tastatureingabe steuert. Stattdessen stehen euch hierfür ausschließlich Programmierbefehle zur Verfügung. Diese orientieren sich an echten Programmiersprachen. Je weiter ihr im Spiel voranschreitet, desto mehr Befehle schaltet ihr frei. Während ihr also beispielsweise anfangs nur einfache Bewegungsbefehle nacheinander ablaufen lasst, so sind schon wenig später verschachtelte If-Else-Abfragen möglich. Noch später wird es sehr anspruchsvoll: Insgesamt könnt ihr mehr als 60 Befehle verwenden. Und das ist auch dringend notwendig: Anders als noch in Human Resource Machines, dem direkten Vorgänger von 7 Billion Humans, der auf Assemblersprache basierte, sind nun sehr komplexe Programmierskripte vonnöten, um alle Level zu meistern. Wer an dieser Stelle nun befürchtet, dass sich hinter den Aufgaben ein langweiliges, trockenes Spielprinzip verbergen könnte, der irrt gewaltig. Denn 7 Billion Humans entpuppt sich schon nach kurzer Zeit als komplizierte Raterei, die dank ihrer simplen, aber ansprechenden Präsentation viel Faszination ausübt. Hinzu kommt, dass die Rätsel stets logisch und nachvollziehbar aufgebaut sind, ohne dass jedoch die Lösung direkt auf der Hand liegt. Ganz im Gegenteil: Gerade im späteren Spielverlauf verlangen die Aufgaben eine gehörige Portion an Verständnis, wie die jeweiligen Programmierskripte aufgebaut sein müssen, damit die einzelnen Befehle korrekt ineinandergreifen. Weil die Programmierbefehle, die zum Lösen der Aufgaben zum Einsatz kommen müssen, zum Ende hin enorm komplex werden, darf der Schwierigkeitsgrad durchaus als sehr hoch bezeichnet werden. Einsteiger könnte dies mit einiger Sicherheit überfordern. Bewegung per Programmiersprache: In 7 Billion Humans steuert ihr eure Mitarbeiter per Programmieranweisung (rechts).
Diese lassen sich per Drag and Drop zusammenstellen und werden von Level zu Level anspruchsvoller. Hier wird auch ein erstes Problem von 7 Billion Humans deutlich: Wer über wirklich gar keine Kenntnisse verfügt, wie Programmiersprachen ihrem Wesen nach funktionieren, der dürfte einige Schwierigkeiten haben, ins Spiel hineinzufinden. Die Kampagne ist zwar wie eine Art Tutorial aufgebaut, in jedem Level werden euch neu hinzugekommene Befehle kurz erklärt. Aber diese Erklärungen beschränken sich aufs Nötigste und stellen längst nicht immer alle unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten der Befehle dar. Zudem sind die Programmieranweisungen -- wie in echt auch -- auf Englisch gehalten. Zumindest Grundbegriffe wie "if", "else", "jump", "skip" und so weiter sollte man daher verstehen, da sich einem andernfalls die Logik hinter den Befehlen nicht erschließen dürfte. Eine weitere Schwäche liegt in der Spielmechanik selbst: Gerade bei ungeduldigen Spielern, die an einem Problem hängen bleiben und nicht sofort erkennen, wie der jeweilige Level zu meistern ist, besteht naturgemäß die große Verlockung, sich über das Internet Hilfe zu verschaffen. Das jedoch sollte man tunlichst unterlassen, weil man sich damit die Freude am Rätseln schnell kaputt macht. Sieht kompliziert aus, gehört aber noch zu den einfacheren Aufgaben:
Hier steuern verschachtelte Programmieranweisungen eure Mitarbeiter sicher durch ein Zahlenlabyrinth. 7 Billion Humans ist recht umfangreich. Die zahlreichen Level sollten für mindestens 10 Stunden Ratespaß sorgen, inklusive der Zeit, die für das Nachdenken über geeignete Lösungen für die jeweiligen Probleme benötigt wird. Da in vielen Rätseln zudem Zahlen zum Einsatz kommen, schadet es sicherlich nicht, mit den mathematischen Grundrechenarten vertraut zu sein. Die Entwickler haben sich zudem Gedanken gemacht, wie man den Wiederspielwert der einzelnen Level erhöhen kann. Neben der Herausforderung, die gestellte Aufgabe überhaupt zu lösen, gibt es pro Level jeweils noch zwei weitere optionale Anforderungen. Zum einen gilt es, eine Lösung zu finden, die auf möglichst wenig Programmierbefehle zurückgreift. So lässt sich ein Level z.B. statt mit sieben im besten Falle auch mit nur fünf Anweisungen beenden. Zum anderen sollte eure Kette mit den Programmbefehlen zügig ausgeführt werden, soll heißen: Bis zur Abarbeitung sämtlicher Befehle darf nur möglichst wenig Zeit vergehen. Auch dies erfordert kompakte, clever ineinandergreifende Anweisungen. Nur selten lassen sich beide Zusatzanforderungen gleichzeitig erfüllen. Wie sehr das Erreichen dieser Zusatzanforderungen zur Motivation beiträgt, einen ansonsten inhaltsgleichen Level erneut anzugehen, muss am Ende jedoch jeder für sich selbst entscheiden. Die Level in 7 Billion Humans können auf unterschiedliche Arten gemeistert werden.
Nur wenn ihr auch die jeweils zwei Bonusanforderungen meistert, leuchten die kleinen Lichter neben den Levelzahlen auf. Schade ist, dass dem Spiel kein Leveleditor beiliegt. Das hätte zusätzliche, von der Community erstellte Inhalte ermöglicht und sich damit positiv auf den Langzeitspielwert ausgewirkt. Basierend auf der bisherigen Veröffentlichungspolitik von dem Entwickler Tomorrow Corporation ist zudem nicht damit zu rechnen, dass es weitere Level in Form von DLC geben wird. Auf der technischen Seite fällt 7 Billion Humans positiv auf. Die Steuerung per Maus geht flott von der Hand, Bugs oder Abstürze sind während des Spielens nicht aufgetreten. Die Grafik ist in einem einfachen Comicstil gehalten und wirkt stimmig: Sie entspricht im Wesentlichen der des Vorgängers Human Resource Machine. Ein leistungsstarker PC wird nicht benötigt. Der Soundtrack und die Soundeffekte stören nicht, sondern passen stets zum Spielgeschehen. Der Preis von 7 Billion Humans in Höhe von 12,49 EUR ist angemessen. Die (wenigen) Zwischensequenzen im Spiel sind schlicht gehalten und führen auf mehr oder weniger humorvolle Art
die belanglose Story fort, stören aber auch nicht und passen stilistisch gut zum Spiel. Fazit Alles in allem handelt es sich bei 7 Billion Humans um eine knifflige Raterei mit unverbrauchtem Spielprinzip. Wer gerne über Probleme grübelt, dazu passende Lösungen finden möchte und über ein Grundverständnis in Sachen Programmiersprachen verfügt, der bekommt hier ein wirklich motivierendes, weil stets faires Spiel zu einem angemessenen Preis geboten. Einsteiger dürften aber am zum Ende hin sehr hohen Schwierigkeitsgrad der Rätsel scheitern. Bewertung 8/10 ✔️ stimmige, übersichtliche Grafik
✔️ keine Bugs/Abstürze festgestellt
✔️ passender, nicht nervender Soundtrack
✔️ deutsche Untertitel
✔️ intuitive Bedienung
✔️ einfacher Einstieg dank Erklärungen/Tipps in den Leveln
✔️ abwechslungsreiche Rätsel
✔️ umfangreich dank vieler Level
✔️ angemessener Preis ❌ eingeschränkter Wiederspielwert der einzelnen Level
❌ nur englische Sprachausgabe
❌ zum Ende hin sehr hoher Schwierigkeitsgrad
❌ kein Leveleditor

Valer1us

Valer1us

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